Freitag, 30. Dezember 2011

Novelus Australius III (tre)

Novelus Australius I (uno)
Novelus Australius II (due)

Für Fraser Island hatten wir eine Guided Self-Drive Tour gebucht. Was das genau hieß, erfuhren wir bereits bei der fast multimedialen Einführung am Vorabend, die mich in Bezug auf Länge und Moral schon irgendwie an eine Grundschullehreransprache vor dem Ausflug in einen Zoo erinnerte. “Füttert keine Dingos, sonst nehmen sie euer ganzes Essen und ihr müsst verhungern!” “Geht nicht ins Meer, sonst fressen euch die Haie oder die Quallen töten euch!” “Fahrt nicht schneller als 60 km/h und fahrt nicht ins Salzwasser, sonst kommt eine Welle und wirft euer Auto um!” All das hätte selbstverständlich den Tod zu Folge, was wiederrum die Frage aufwarf, warum wir 340 Dollar gezahlt haben um jeden Moment sterben zu können. Auf der anderen Seite kann man in Australien aber sowieso jeden Moment durch einen blöden Zufall sterben.

Ich versuche kurz eine solche Situation zu konstruieren:
Eine Familie aus Melbourne, nennen wir sie Koala, ist im Urlaub im Outback mit ihrem großen dicken 4WD(Allrad-Auto). Der kleine Junge der Koalas findet den roten Sand so toll, dass er seinen kleinen blauen Plastikeimer mit seiner kleinen rosa Plastikschaufel auffüllt. (Die Eltern haben das Spielzeug von einer Großtante geschenkt bekommen, die sich nicht erinnern konnte ob das Kind ein Junge oder Mädchen ist.) Nach ihrem tollen Urlaub und höllischen Sonnenbrand fahren die Koalas zurück nach Melbourne in ihr nettes kleines Vorstadthaus mit dem kleinen Garten und natürlich Pool.
Klein-Koala beschließt in der nächsten Woche seinen tollen blauen Eimer mit dem tollen roten Sand mit in den Kindergarten zu nehmen, um den anderen Kindern was davon in die Augen zu werfen, oder so ähnlich. Plötzlich sieht er aber das der kleine Dan Kookaburra, der im selben Kindergarten ist, einen echten Schildkrötenpanzer dabei hat, der natürlich wesentlich interessanter ist und so bleibt das Sandeimerchen unbeachtet in der Ecke stehen.
(Großaufnahme Sandeimer)
Langsam, ganz langsam bildet sich ein winziges Loch in dem Sand und ein kleiner Reptilienkopf kommt zum Vorschein. (Nein, kein Krokodilkopf. Die leben doch gar nicht im Outback!) Es ist eine kleine aber wie immer durchaus tödliche Schlange, die der Größe nach überhaupt nichts größeres als einen Marienkäfer essen kann, aber vom Giftgrad her unter der Bushregierung als Massenvernichtungswaffe deklariert worden wäre. Ja, Australien hat ganz schön Glück, dass George wahrscheinlich nicht mal weiß, dass es das Land gibt. Naja, die Schlange beschließt jedenfalls spontan aus dem Eimer heraus zu springen und schlängelt sich durch den nächsten Lüftungsschacht in die Freiheit der Melbourner Vorstadtidylle.
Ziellos und unbemerkt, aber immerhin ein paar tote Oppossums hinterlassend, schlängelt sie zufällig direkt auf ein Hostel zu. Da sie allerdings keine Ahnung vom Straßenverkehr hat, schaut sie nicht nach rechts und links und wird so auf halber Strecke von dem 4WD der Koalas überfahren, die ihren Sohn schnell zu einem Arzt bringen müssen, weil er mit seinem Kopf im Schildkrötenpanzer der Kookaburras fest steckt. So hatten noch einmal alle Backpacker Glück und können fröhlich auf die nächste Todesgefahr warten.
Alle Backpacker? Nein, denn als die Schlange überfahren wurde, zerplatzte ihr Giftbeutel und ein kleiner Tropfen des Giftes flog direkt in Richtung des Fast Food Restaurants, das strategisch klug neben dem Hostel eingezogen ist. Dieser winzige Tropfen landete nun als auf dem Schnell-Mahl eines Backpackers, der einfach mal zu faul war bis zum nächsten Supermarkt zu gehen und sich sein Essen für den halben Preis selbst zu machen.

Was lehrt uns diese Geschichte? Das wahrscheinlich alle Australier oder Menschen mit Wissen über Schlangen, meine absurden Vorstellungen über die australische Todesfauna widerlegen könnten, oder euch einfach erzählen das es wesentlich einfacher sein kann zu sterben.

Ihr habt jetzt quasi überhaupt nichts über Fraser Island erfahren, das ist mir durchaus nicht entgangen, aber mein Kopf wollte gerade diese Geschichte schreiben und deswegen müsst ihr jetzt damit leben :D

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen